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Berichte

11. August 2012 - Tag der offenen Tür der Feuerwehr Hoyerswerda

27. Juli 2011 - Alarm bei unserer Feuerwehr

Die Stadt Hoyerswerda hat kürzlich ihren Brandschutzbedarfsplan aktualisiert und im Stadtrat verabschiedet. Das liest sich relativ spannend, da geht es unter anderem um das aktuelle Gefährungspotential in der Stadt und den Ortsteilen, die Anpassung der Feuerwehrdienstleistungen an den demographischen Wandel und auch um die Einsatzstatistik der Feuerwehren. Doch da herrscht in einigen Bereichen Alarmstufe Rot!
Gleich vorweg gesagt: Rund drei Millionen Euro lässt sich die Stadt Hoyerswerda jedes Jahr ihre - unsere - Feuerwehr kosten. Davon entfallen mehr als 350.000 Euro auf die Freiwilligen Feuerwehren, der Rest geht für die Berufsfeuerwehr drauf (dabei sind zirka 1,9 Millionen Euro allein für Personalkosten eingeplant) - das jedenfalls offenbart der Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2009 - die Folgepläne wurden nicht im Internet veröffentlicht. Drei Millionen Euro, das ist für eine Stadt, die ständig am Rande der roten Null wandelt, die sich mühsam versucht, ihrer Altschulden zu entledigen eine ganze Stange Geld. Da könnte man auf die ketzerische Idee kommen, dass man hier sparen kann. Muss sich eine immer weiter schrumpfende Stadt wie Hoyerswerda. Zum Stichtag 31.12.2010 hatte Hoyerswerda mit allen Ortsteilen gerechnet 37.379 Einwohner, somit kostet uns also die professionelle Sicherheit gerade einmal etwa 72 Euro pro Einwohner und Jahr (die Freiwilligen Feuerwehren kosten noch einmal zirka 8 Euro pro Einwohner und Jahr extra). Das ist nicht viel Geld für unsere Sicherheit und die sollte uns etwas wert sein. Denn die Einsatzstatistik verrät auch die Knackpunkte:
Kern jeglicher Hilfs- und Rettungsmaßnahmen ist die Einhaltung einer Hilfsfrist. Diese wird für Hoyerswerda auf 9 Minuten nach Alarmierung angegeben. Innerhalb dieser Zeit sollen wenigstens acht Feuerwehrleute vor Ort sein, die Rettungsmaßnahmen einleiten können (Grundlage: Eine Person kann zirka 17 Minuten Kohlenmonoxidbelastung im Brandrauch ertragen. Mit Endeckung des Brandes und Meldung vergehen bereits vier wertvolle Minuten, neun Minuten haben die ersten 8 Feuerwehrleute Zeit, bis sie am Einsatzort sein können, somit verbleiben dann noch vier Minuten zur Bergung und Reanimation.). In den folgenden vier Minuten müssen dann aber weitere Einsatzkräfte zur Brandbekämpfung und zur Verhinderung eines Flash-Over nachrücken, der Brandschutzplan geht hier von 6 Feuerwehrleuten aus.
Aufgrund der hohen Bedeutung der Personenrettung übernimmt die Berufsfeuerwehr die 9-Minuten-Hilfsfrist. Viel mehr Personal ist in einer durchschnittlichen Schicht auch gar nicht vorhanden.
Große Sorgenfalten bekommen die Verantwortlichen aber, wenn es um die Einhaltung der 14-Minuten-Hilfsfrist (u.a. zur Verhinderung eines Flash-Over) geht. Denn diese soll durch die Freiwilligen Feuerwehren geschehen. Im letzten Jahr, gelang es bei 156 relavanten Einsätzen nur bei 21 Einsätzen, diese Frist in entsprechender Personalstärke einzuhalten, das sind also nur 13,46% aller kritischen Einsätze. Es gab dann noch weitere 74 Einsätze, bei denen wenigstens eine bedingte Einsatzbereitschaft vorherrschte, es konnten also wenigstens so viele Feuerwehrleute mobilisiert werden, dass man ausrücken konnte. Besorgnis erregend ist aber die Zahl der Einsätze, in denen die Freiwilligen Feuerwehren nicht einsatzbereit waren. Das traf auf 61 Einsätze also 39,10 % aller kritischen Einsätze zu. Das ist eine alarmierende Zahl. Denn das heißt, dass in knapp 40% der Einsätze, in denen es um die Rettung von Leib und Leben, um das Verhindern des Übergreifens eines Brandes auf benachbarte Gebäude/Wohnungen geht, die notwendige Verstärkung der acht Kameraden der Berufsfeuerwehr durch die nahegelegenenen Freiwilligen Feuerwehren nicht erfolgt.
Die Gründe für diese alarmierenden Werte sind vielfältig und nicht nur auf eine Ursache zurückzuführen: Den Ortsfeuerwehren fehlen eben nicht nur die Freiwilligen. Denn an allen Standorten der Freiwilligen Feuerwehren wären laut Bedarfsplan 202 Feuerwehrleute notwendig, 195 Feuerwehrleute sind es Stand 2010. Das ist ja immerhin gut. Die Feuerwehr Neustadt-Kühnicht zum Beispiel benötigt laut Plan 14 Feuerwehrleute, hat aber 22 Kameraden. Und dennoch war sie nur in einem Einsatz vollständig - also mit sechs Feuerwehrleuten - einsatzbereit? Ja, denn im Durchschnitt waren bei einer Alarmierung der Neustädter Freiwilligen nur drei Einsatzkräfte dann auch tatssächlich da! Die Ursachen liegen also durchaus auch auf anderen Gebieten. Der Brandschutzbedarfsplan nennt diese Ursachen auch. Der Faktor Mensch ist entscheidend. Denn es gibt durchaus auch bei unseren Floriansjüngern den einen oder anderen Ärger. Außerdem sind Ortsfeuerwehren oft verschworene Gemeinschaften, das ist auf der einen Seite natürlich gut. Sie organisieren oft auch gemeinsam Dorffeste, verbringen viel Freizeit miteinander, da muss die Chemie stimmen. Werden dann Feuerwehren - so wie Kühnicht und Neustadt - zusammengelegt, funktioniert Vieles nicht mehr einfach so weiter. Dazu kommt, dass viele Kameraden, die das Glück haben, berufstätig zu sein, eben nicht bei einer Alarmierung am Tage einfach so aufspringen und zum Gerätehaus fahren können, sie sind schlicht nicht einsatzbereit. Außerdem wollen auch die Freiwilligen Stunden mit ihren Liebsten zu Hause verbringen, der Faktor Freizeit außerhalb der Feuerwehrgemeinschaft nimmt auch einen größeren Raum ein.
Aufgrund der hohen Bedeutung der Personenrettung übernimmt die Berufsfeuerwehr die 9-Minuten-Hilfsfrist. Viel mehr Personal ist in einer durchschnittlichen Schicht auch gar nicht vorhanden.Doch was kann die Lösung für dieses Dilemma sein? Zum Ersten sollte feststehen, dass an unserer Berufsfeuerwehr nicht zu rütteln ist, das Geld für die Rettungs-Profis muss einfach in jedem Jahr da sein. Zum Zweiten muss das Engagement der Freiwilligen Retter viel mehr gewürdigt werden. Da ist die Einführung der Ehrenamtskarte auch für Feuerwehrleute nur ein erster kleiner Schritt. Aber da muss einfach mehr kommen. Die Hoyerswerdaer müssen sich dessen bewusst sein, dass es also 200 Männer und Frauen gibt, die ihre Freizeit für unserer aller Sicherheit opfern. Zum Dritten sollte die Stadt Hoyerswerda die Arbeitsbedingungen für die Freiwilligen stets im Blick behalten. Alte Geräte sollten ausgemustert und durch moderne Technik ersetzt werden, so wie es der Brandschutzbedarfsplan auch vorsieht. Die Gerätehäuser sollten im guten Zustand gehalten werden.Zum Vierten sollten die Stadt Hoyerswerda und die städtischen Unternehmen wie die Wohnungsgesellschaft, Lausitzhalle, Lausitzbad etc. bei Neueinstellungen darauf achten und bereits in den Stellenausschreibungen darauf hinweisen, dass Mitglieder einer der Freiwilligen Ortsfeuerwehren bevorzugt eingestellt werden. So praktizieren es bereits einige Gemeinden in Deutschland. Da sollte dann aber auch klar sein, dass diese Kameraden bei jeder Alarmierung sofort den Arbeitsplatz verlassen dürfen, ohne ihnen Steine in den Weg zu legen. Zum Fünften sollte eine bessere Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden, um mehr Nachwuchs für die Feuerwehren zu gewinnen. Die Stärkung der Jugendfeuerwehren muss unbedingt vorangetrieben werden. Hier müssen auch die Schulen der Stadt entsprechend mitspielen und der Feuerwehr mehr Raum für ihre Präsentation und Nachwuchswerbung - auch im Unterricht - einräumen.Zum Sechsten müssen die Anreize zur ordnungsgemäßen jährlichen Weiterbildung verbessert werden. Derzeit halten nur 17% der Kameraden die mindestens 40 Pflichtstunden pro Jahr ein - das gefährdet die Einsatzfähigkeit.
Es ist nur zu hoffen, dass die bereits eingeleiteten Maßnahmen und weitere neu hinzukommenden Maßnahmen zu einer Stabilisierung der Einsatzstärken und Einsatzbereitschaft führen werden. Auch alle Hoyerswerdaer sollten jeden Tag froh sein, dass die Stadt zum Einen diese enormen finanziellen Aufwendungen für die Feuerwehren stemmt, dass aber zum Anderen 200 Männer und Frauen bereit sind, ihre Freizeit, ihre Gesundheit jederzeit in die Waagschale zu werfen und Menschenleben zu retten. Doch klar ist: Auch Feuerwehrleute sind Menschen, auch sie brauchen Freizeit, Zeit für sich und ihre Familien und auf der anderen Seite eben auch Geld, um für sich und ihre Familien zu sorgen. Da kann es eben auch sein, dass Arbeit vor Einsatz geht. Diesen Umstand können nur die Stadt und ihre städtischen Unternehmen auf breiter Ebene lösen. Diese sollten mit ihrer Vorbildfunktion vorangehen und vermehrt Feuerwehrleute in ihren Reihen haben. Und an die Unternehmer, die ihren Arbeitnehmern schon heute bei jedem Einsatz die Erlaubnis geben, die Arbeit zu verlassen kann man nur ein großes Dankeschön richten. Denn trotz Ausfallvergütungen ist es nicht selbstverständlich, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seine Leute mal für Stunden ausfallen zu lassen.
aus Alarm bei unserer Feuerwehr - compurobbie - www.hoyerswerda-lebt.blog.de

10. Mai 2010 - Einsatzfahrt mit dauerhaft eingeschaltetem Martinshorn